Sie sind hier:
StartseiteAcanthicus hystrix: Elfenwels-Nachzucht
An die Nachzuchterfolge mit kleineren L-Nummern haben wir uns längst gewöhnt. Aber auch die großen Harnischwelse sind zu „knacken“ – vorausgesetzt, wir bieten ihnen eine ihren Ansprüchen angemessene Umgebung.
Die riesigen Loricariiden der Gattung Acanthicus, bei uns auch als „Elfenwelse“ bekannt, sind in allen großen Flüssen des Amazonasgebietes zu finden. Ihre Färbung ist je nach Population ziemlich variabel, und die Artbestimmung fällt nicht immer leicht.
Im Hauptstrom des Amazonas südlich von Iquitos (Peru) soll es sowohl Acanthicus adonis als auch A. hystrix geben, aber die Tiere aus dieser Region sind nur farblich gegeneinander abzugrenzen, so dass ich glaube, dass sie alle derselben Art angehören. Ausgewachsene Acanthicus aus diesem Gebiet können über 120 Zentimeter lang und auf Höhe des Kopfes über 20 Zentimeter breit werden. Damit dürften Acanthicus die größten Loricariiden sein.
Ihre Färbung ist unterschiedlich; sie variiert von einem einheitlichen Tiefschwarz
über Schwarz mit kleinen weißen Tüpfeln bis Kohlegrau mit schwarzen Flecken. Erwachsene, weiß gepunktete Tiere sind je-doch selten; sie werden von den Händlern in der Regel als A. adonis bezeichnet, während schwarze Tiere im Allgemeinen als A. hystrix angeboten werden.
Habitate in Peru
Acanthicus, in Peru „Pleco mama“ genannt, werden bei Iquitos im Amazonas und am Zusammenfluss des Río Marañon mit dem Río Ucayali gefangen. Die großen Tiere sind als Speisefische geschätzt, während Jungfische für den Aquarienfischmarkt bestimmt sind. Die besten Fangplätze sind Strände, an denen die Strömung große Baumstämme und Treibholz angeschwemmt hat. Das Wasser ist an solchen Stellen lehmig weiß, und die starken Turbulenzen reißen ständig neue Stücke aus den Sand- und Lehmsteilufern der kleinen Inseln. Im gleichen Lebensraum gibt es einen weiteren Riesen, Panaque sp. (L 90), in Peru „Pleco Papa“ genannt. Im September war das Wasser in einem dieser etwa einen Meter tiefen Biotope ungefähr 26 °C warm, sehr weich, und der pH-Wert betrug pH 7,1.
Die Fänger ziehen große Holzstücke und Wurzeln an Land, um in den Spalten nach Acanthicus-Jungfischen zu suchen. Das ist harte Arbeit. Besonders gefeiert werden Albinos, die den Fängern schon in Iquitos mehr Geld bringen. Die Jungfische werden in mit Wasser gefüllten Kanus, die mit Palmenblättern gegen die Sonne geschützt werden, aufbewahrt. Erst wenn eine ausreichende Anzahl vorhanden ist, werden die Tiere in kleinen Wannen per Motorboot nach Iquitos gebracht.
In der Stadt Belen, unterhalb von Iquitos auf Pfeilern direkt am Amazonas gelegen, haben die Zwischenhändler der Aquarienfische ihre Häuser. Es gibt sogar spezialisierte Fänger, die nur mit juvenilen Acanthicus handeln. Während der Hochsaison im September ist es nicht ungewöhnlich, dass in einer Hütte bis zu 1000 junge Acanthicus zu finden sind.
Die Jungfische sind nach Größen sortiert; fünf, acht und zwölf Zentimeter lange Acanthicus sind auf flache Schüsseln verteilt. Die teureren Albinos werden einzeln gehältert.
Mehrmals am Tag kommen die Fahrer der Großhändler aus Iquitos und kaufen junge Acanthicus, je nach Bedarf. Etliche Jungen sind unablässig damit beschäftigt, das Wasser in den Wannen zu wechseln. Als Fische aus schnell fließendem Wasser vertragen die Acanthicus diese Bedingungen erstaunlich gut, im Gegensatz zu den kleinen Panaque, die schon bald sichtlich unter dem Sauerstoffmangel leiden oder von Parasiten befallen werden.
Die frisch gefangenen kleinen Acanthicus haben nur kurze Filamente an ihren Flossen, die in den verschlechterten Wasserbedingungen und beim Handhaben leicht abbrechen.
Ausgewachsene Acanthicus leben im tieferen Wasser oder in Baumstämmen im flachen Wasser in sehr starker Strömung. Die großen Tiere werden mit Metallstangen aus ihren Verstecken gejagt und fliehen dann in lange Netze, die in erster Linie zum Fang der großen Brachyplatystoma-Arten benutzt werden. In drei Tagen fingen unsere Fischer sechs riesige Panaque von 40 bis 60 und acht Acanthicus von 45 bis 90 Zentimeter Länge. Bei Tieren dieser Größe sind die Geschlechter anhand der Genitalpapillen leicht zu unterscheiden.
Die Fische unserer Fangreise waren für den Parc Merveilleux in Luxemburg bestimmt, wo sie im großen Amazonas-Schauaquarium genug Platz haben sollten. Die vorderen, verdickten Pectoralstrahlen der Welse sind sehr kräftig, und es war schwierig, die Riesenfische zu transportieren. Alle Tiere überlebten die Reise und wurden in der Hälterungsanlage in 30 Zentimeter tiefe Becken von etwa drei Meter Durchmesser gesetzt. Für den Versand mussten ihre harten Flossenstrahlen mit Filterschaumstoff eingewickelt werden. Die scharfen Odontoden verursachen leicht Wunden oder reißen Löcher in die Transportbeutel. Die Tiere wurden einzeln und jeweils mit einer großen Schüssel in Tüten gepackt und in Holzkisten gestellt. Jeder Wels wog nun – mit Verpackung und Transportwasser – über 40 Kilogramm!
Sie möchten wissen, wie es weitergeht? Dann besorgen Sie sich doch einfach die Februar-Ausgabe der Datz!
Autor: Oliver Lucanus


ULMER CMS | Alle Infos unter