. .

Sie sind hier:

Startseite

Deutsche Greifvogelwarte Burg Guttenberg: Bettina & Claus Fentzloff nehmen Abschied

Mit 84 Jahren tritt der Ornithologe Claus Fentzloff, der Gründer der Deutschen Greifvogelwarte, nun in den Ruhestand. Die Anlage aber wird weiterbestehen.

Claus Fentzloff startete 1948 seine nicht alltägliche Karriere als Tierfotograf, erste Flugvorführungen mit Adlern folgten schon 1958 im Falkenhof Walldorf. 1950 begann er aktiv im Naturund Artenschutz. Erste Vogelstimmenplatten bei Kosmos folgten, ab 1970 erste Tierfilme für den WDR – seine Sonntags- Matineen mit wechselnden Themen an der Uni Heidelberg wurden zur vielbesuchten Einrichtung. Mehr und mehr verletzte Tiere wurden ihm in diesen Jahren zur Versorgung gebracht – die Idee für die erste Notaufnahme- und Pflegestation wurde mit der Gründung der Burgfalknerei Beilstein 1961 verwirklicht – inzwischen in Fortführung auf Burg Guttenberg die älteste private Zucht- und Forschungsstation in Europa. 36 Greifvogelarten züchtete Claus Fentzloff erfolgreich und übermittelte die wichtigen Brut- und Aufzuchtdaten weltweit kostenlos an zoologische Einrichtungen. Weitere Gestaltungsideen und der ständig wachsende Vogelbestand brauchten bald eine neue Unterkunft. Die bot der damalige Inhaber der Burg Guttenberg, Christoph Frhr. v. Gemmingen- Guttenberg, zur Pacht auf Lebenszeit an. Aus den ungenutzten Schutt- und Brennnesselgräben und den Zwingergärten rund um die mittelalterliche Burg schuf Claus Fentzloff mit viel Phantasie und unvorstellbarem Aufwand die Infrastruktur und Anlagen der Deutschen Greifvogelwarte. 1992 lernte Claus Fentzloff seine heutige Frau Bettina kennen, die als Grafikerin und Malerin keine Ahnung vom Umgang mit den großen Vögeln hatte , aber beherzt und tatkräftig alle Höhen- und Sturzflüge voller Begeisterung mitmachte. Nach erfolgreicher Jäger- und Falknerprüfung stand sie ihrem Mann als Fachfrau zur Seite, voll involviert in seine Zielsetzungen. Hauptanliegen von Claus Fentzloff in 60 Jahren aber war die Zucht und kostenlose Auswilderung der vom Aussterben bedrohten Seeadler und anderer Arten in europäischen Ländern: Züchten für die Freiheit – nicht für den Verkauf! 1975 startete er als Erster erfolgreich die Auswilderung von insgesamt 37 europäischen Seeadlern aus eigener Zucht in ehemaligen Brutgebieten (Schleswig- Holstein, Irland, Frankreich, Schweden, Tschechei). Dank der Beringung der Vögel kann er eindrucksvolle Zahlen vorweisen: Heute fliegen dort über 400 Nachkommen seiner Adler in mehreren Generationen. Der Bestand des europäischen Seeadlers ist gesichert auch dank seiner Ideen und seinem großen persönlichen Einsatz. Alle Aufwendungen und Leistungen zum Schutz bedrohter Arten erbrachte er in all den Jahren ohne staatliche Zuschüsse oder Subventionen. Nach der Winterpause geht es Anfang März 2009 auf Burg Guttenberg unter neuer Leitung, aber mit bewährtem Konzept weiter, wobei man auf neue Akzente des Burgherrn gespannt sein darf.