Dom in Speyer
Des alten Reiches Herrlichkeit verkörpert der Trifels, Hort der Reichskleinodien und Staatsgefängnis für Richard Löwenherz. Apropos Burgen: Über 500 gab es hier einmal, aber nur noch ein Fünftel existieren noch – durchweg als Ruinen –, meist in den Tiefen des Pfälzerwaldes versteckt. Und der greift, wie auch der Wein, weit nach Süden und Norden über die Grenzen des Landes hinaus und ist ganz nebenher auch das größte Wald- und Naturschutzgebiet Deutschlands. Hier können Sie tage- oder wochenlang herrliche Wanderungen unternehmen und auf den rustikal bewirtschafteten Hütten des Pfälzerwald-Vereins so manch Deftiges der Pfälzer Küche entdecken – sowohl fest als auch flüssig!
Besondere Erwähnung verdient noch das Hambacher Schloss, ein Symbol für die deutsche Demokratiebewegung. 1832 zogen 30000 Menschen unter der späteren deutschen schwarz-rot-goldenen Flagge hinauf zum Schloss, um für ein einiges und freies Deutschland als föderative Republik zu demonstrieren. Das Hambacher Schloss, auch „Wiege der deutschen Demokratie“ genannt, ist immer eine Besichtigung wert, nicht nur wegen der grandiosen Aussicht über die Rheinebene.
Die vielfältigen

Gesichter der Pfalz

Der Pfälzerwald stellt so etwas wie die Mitte, das Herzstück oder Rückgrat des Landes dar, ist aber auch gleichzeitig eine Art Scheidewand im kulinarischen Sinne.

Er trennt den Westen – auch als Hinterpfalz bezeichnet – mit seiner bodenständigen, deftigen Küche, wo eher rustikal gekocht wird und Gerichte mit Saumagen, Leberwurst oder Blutwurst häufig auf den Tisch kommen, von der Vorderpfalz. Die östliche Seite wird stark vom Nachbarland Frankreich beeinflusst, vor allem was das Kulinarische betrifft. Insbesondere die Ähnlichkeit zur Elsässer Feinschmeckerküche spiegelt sich in feinen Schneckenrezepten oder in edlen Gerichten wie Rieslinghuhn wider.

Aber diese Einteilung in Vorder- und Hinterpfalz ist nur sehr grob. Betrachtet man das Ganze etwas genauer, lassen sich vier große Gebiete unterscheiden: die Rheinebene, der Pfälzerwald, die westpfälzische Hochfläche und das Nordpfälzer Bergland. Jede Region weist besondere geologische und klimatische Bedingungen auf.

Der Pfälzerwald umfasst gut ein Viertel des Landes. Wirtschaftlich ist hier in erster Linie natürlich der Forst mit seinen Produkten von Bedeutung, allen voran die für ihre Qualität weltberühmten Pfälzer Furnier-Eichen, von denen auf großen Versteigerungen ein einzelner Stamm schon einmal gut und gerne seine 20000 Euro erzielen kann. Doch auch für den Gaumen liefern die rund 1500 Quadratmeter Wald reichlich Exquisites und Bekömmliches. Wildschwein, Reh und Hirsch – egal ob frisch geschossen oder gut abgehangen – bieten für fast jeden Geschmack etwas. Und der passende Wein, vom samtigen Burgunder bis zum herzhaften Dornfelder, ist immer im Überfluss vorhanden. Und wer es bis heute noch nicht gewusst hat: Es gibt sogar mitten im Pfälzerwald noch eine Gemeinde, die nach wie vor traditionell Rotwein anbaut: Grevenhausen bei Annweiler.

Weiter nach Westen blickend gelangen wir hinter dem Pfälzerwald auf die Sickinger Höhe, ins „Zweibrückische“, wie man hierzulande die südwestpfälzische Hochfläche zu nennen pflegt. Sie zieht sich von der Lothringer Grenze bis hin zum Landstuhler Bruch, wo sich der US-Flugplatz Ramstein befindet. Das langsam zum Saarbecken hin abfallende flache Gelände ist von steilen Tälern durchfurcht, deren landwirtschaftlich nicht nutzbare Flanken der Wald erobert hat. Vieles erinnert hier an Hunsrück und Eifel, nur dass eine Schicht aus Muschelkalk auf dem Buntsandsteinsockel eine solide Hackfrucht- und Getreidewirtschaft entstehen ließ. Nebenbei bietet der Landstrich auch noch Platz für eine umfangreiche Pferdezucht, die Grundlage für die bekannte Zweibrücker Rasse, deren Güte in dem alten Wittelsbacher Gestüt in Zweibrücken begründet ist, in dem auch Napoleon seinen berühmten arabischen Hengst einstellen ließ.

Mit dem Nachbarland Baden teilt sich die Pfalz den rund 40 Kilometer breiten Oberrhein-Graben, hüben durch die Haardt-Wasgau-Kette, drüben durch Odenwald und Schwarzwald begrenzt. Die nahezu gleichen geologischen und klimatischen Voraussetzungen bedingen ganz selbstverständliche eine Reihe von Gemeinsamkeiten der Gebiete rechts und links des Rheines – und das nicht nur in Küche und Keller. Augenzwinkernd wird dies noch gefördert beim internen Wettstreit von Baden und Pfalz, wenn es um die jeweils höchsten Werte bezüglich Temperatur, Sonnenscheindauer oder Anbaufläche geht.

Burg Trifels
Als viertes und letztes wäre schließlich noch das Nordpfälzer Bergland vorzustellen. Lange Zeit war diese relativ abgelegene und verkehrsmäßig unerschlossene Region tatsächlich auch das Stiefkind und Armenhaus der Pfalz, im Volksmund als die „alte Welt“ oder die „bucklige Welt“ bezeichnet. Letzteres trifft den Landschaftscharakter ziemlich genau. Eine von Porphyrstöcken durchzogene Hochfläche wurde von den System-Gewässern des Glan und der Alsenz recht unterschiedlich erodiert. Einzelne Hartstein-Kuppen, wie das Rhyolit-Massiv des Donnersbergs mit dem keltischen Ringwall von 4000 Meter Länge sowie Potzberg, Königsberg und Höcherberg überragen als bedeutende Land- und Aussichtsmarken die bunt und vielfältig aufgefächerte Landschaft.