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Nicht nur Goethes Liebling: der Gingko

Der Ginkgo ist wohl der erstaunlichste Baum, den man sich vorstellen kann. Für ihn ist die Zeit stehen geblieben – schon vor Millionen von Jahren. Deshalb gilt er als „lebendes Fossil“, ein Begriff, der von dem Evolutionsforscher Charles Darwin geprägt wurde.

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So beschrieb er Pflanzen, die schon seit vielen Millionen Jahren existierten und deren Gestalt sich in all der Zeit kaum verändert hat. Der Ginkgo existierte schon zu Zeiten der Dinosaurier und hat aufgrund seiner lange zurückreichenden Entwicklungsgeschichte einzigartige botanische Merkmale: Mit den fächerförmigen, lang gestielten Blättern sieht er wie ein Laubbaum aus. Aus botanischer Sicht gehört er aber nicht zu dieser Pflanzengruppe, denn er entstand schon viele Millionen Jahre bevor sich die ersten Laubbäume überhaupt entwickelten. Wer in einem Pflanzenkatalog blättert, wird ihn deshalb auch nicht immer bei den Laubgehölzen finden, sondern bei den Nadelgehölzen, denen er botanisch näher steht als den Laubbäumen.

Nicht kleinzukriegen
Der Ginkgo ist gar nicht so exotisch, wie man auf dem ersten Blick meinen könnte, denn er war ursprünglich in Europa heimisch. Die Eiszeiten haben jedoch dazu geführt, dass dieser Baum hier ausgestorben ist. Er überlebte die Kälteperioden in Ostasien, wo er als heiliger Baum verehrt wird. Es gibt in China Exemplare, die über 1.000 Jahre alt sind. Der Ginkgo ist nicht nur sehr langlebig, sondern auch außerordentlich robust und sehr widerstandsfähig gegenüber Schädlingen und mit Schadstoffen belasteter Großstadtluft. Seine Widerstandskraft macht ihn zu einem Symbol für Lebenskraft und Energie. Er gilt auch als ein Zeichen der Hoffnung, denn einzelne Bäume haben sogar eine der schlimmsten Katastrophen in der Geschichte der Menschheit überstanden: Nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima im August 1945 war ein Ginkgo der erste Baum, der inmitten des am stärksten zerstörten Teils der Stadt im Frühling 1946 wieder austrieb.

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Goethes Lieblingsbaum
Erst um 1730 fand der Ginkgo den Weg vom Fernen Osten nach Europa zurück. Es war sein eigenwilliges Erscheinungsbild und das damals große Interesse an neuen, exotischen Pflanzen, die dazu führten, dass dieser Baum Furore machte und gerne in herrschaftlichen Gärten gepflanzt wurde. Auch in Künstlerkreisen fand der Ginkgo viel Beachtung. Seine einzigartigen, wie Fächer geformten und markant geaderten Blätter inspirierten viele Künstler. Das Ginkgo-Blatt wurde im Jugendstil vielfach als Ornament verwendet; es fand sich auf Hausfassaden und diente als Vorlage für Schmuckstücke. Goethe, der große deutsche Dichter und Gelehrte, hat dem Baum im Jahr 1815 sogar ein Gedicht gewidmet, das den Bekanntheitsgrad des Ginkgos erheblich steigerte. Und so ist es vielleicht auch ganz naheliegend, dass ein Museum, das sich mit all den spannenden Facetten des Ginkgos befasst, in der Goethestadt Weimar gegründet wurde.


Autor: PdM

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