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Sandkauen und Gruppenbalz beim Glühköpfchen

Als ich im Frühjahr wieder einmal mit Spannung eine Fischsendung an meine Stammzoohandlung „Burdas Tierwelt“ erwartete, konzentrierte sich mein Interesse besonders auf eine Art, die unter der Bezeichnung Microrasbora sp. „Kyawi“ angeboten wurde. Da dem Namen keine gültige Beschreibung zugrunde liegt, war ich sehr gespannt darauf, was sich hinter der Handelsbezeichnung verbarg.

Bei der Sichtung der zahlreichen Beutel war ich von dieser „Neuheit“ zunächst eher enttäuscht, handelte es sich doch um ziemlich unscheinbare, relativ spitzköpfige, graue Silberlinge, deren einzige dunkle Markierung ein schwarzer Fleck in Afternähe war. Die zehn Tiere wanderten vorläufig in ein dicht bepflanztes 60-Zentimeter-Aquarium zu einigen anderen asiatischen Kleinfischen. Als ich sie in den nächsten Tagen näher betrachtete, fiel mir ein, dass ich schon einmal Bilder von ihnen in einem meiner Barben- und Bärblingsbücher gesehen hatte, konnte mich aber nicht sogleich daran erinnern, worum es sich handelte. Beim Durchblättern meiner Literatur wurde ich dann fündig. Meine „Microrasbora“ waren Jungtiere von Sawbwa resplendens, dem Glühköpfchen oder der Nacktlaube, in der für Weibchen typischen Zeichnung. Ich freute mich über diese Erkenntnis, da ich nun wusste, dass ich zwar keine Neuheit, aber zumindest im männlichen Geschlecht sehr attraktive Aquarienfische erstanden hatte.

Tatsächlich verfärbten sich im Laufe der nächsten Wochen nach und nach insgesamt fünf Tiere und legten das herrliche Prachtkleid männlicher Glühköpfchen an. Es besteht aus einem wunderschön irisierenden bläulichen bis türkisfarbenen Körperglanz und roten Schwanzflossenzipfeln. Die für den deutschen Namen typische Rotorangefarbe des Kopfes war zunächst noch schwach entwickelt.

In der Heimat
Die einzige Art der Gattung Sawbwa stammt aus Burma, das von der derzeitigen Militärdiktatur als Myanmar bezeichnet wird, und gelangt in den letzten Jahren, seitdem es in diesem Land kommerzielle Fischexporteure gibt, häufiger zu uns. Gemeinsam mit einigen anderen Arten (Inlecypris auropurpureus, Microrasbora rubescens und „Microrasboraerythromicron) gehört sie zu den Endemiten des Inle-Sees und der ihn umgebenden Gewässer. Sie kommt also an keiner anderen Stelle auf der Welt vor. Der 878 Meter über dem Meeresspiegel liegende 158000 Quadratkilometer große Süßwassersee ist ein Paradies auf Erden, das jedoch durch Verlandung, Überdüngung und Ausbreitung von Wasserhyazinthen akut bedroht ist.

Das Wasser ist mittelhart (7 bis 17° dGH) und leicht alkalisch mit pH-Werten zwischen pH 7 und 8. Aus diesem Grund erhöhte ich den pH-Wert in meinem Aquarium für die Glühköpfchen durch Leitungswasserzugaben allmählich bis zum Neutralpunkt. Zuvor hatte er deutlich im sauren Bereich gelegen, da die im selben Becken gehaltenen Zwergbärblinge der Gattung Boraras eher solche Werte bevorzugen.

Die Glühköpfchen hatten dabei allerdings keine Anzeichen von Unwohlsein gezeigt. Womöglich besitzen sie hinsichtlich des pH-Wertes eine höhere ökologische Toleranz als bisher angenommen.

Lesen sie bitte weiter in Datz/AP 12/2004.

Autor: Ingo Koslowski