Gute Luft mit Zimmerpflanzen
Dass Pflanzen den Sauerstoff produzieren, von dem Mensch und Tier überhaupt erst leben können, dürfte jedermann bekannt sein. Die Sauerstoffproduktion der Pflanzen ist ein komplizierter chemisch-physikalischer Vorgang, den man Assimilation nennt und der von den Pflanzen über das Chlorophyll in der Blattmasse abgewickelt wird.
Bei diesem Vorgang, den man auch als Fotosynthese bezeichnet, gewinnen unsere Pflanzen alle notwendigen Kohlenhydrate, die sie für ihr Wachstum benötigen. Hierbei wird Kohlendioxyd (CO2) von den Blättern durch die Spaltöffnungen auf der Blattunterseite aufgenommen und zusammen mit Wasser, das die Wurzeln liefern, und Sonnenlicht zu Kohlenhydraten umgebaut. Sozusagen als Abfallprodukt wird dann der für uns so wichtige Sauerstoff produziert. Ferner bleibt Wasser übrig, was als Wasserdampf die Luftfeuchtigkeit erhöht und im großen Stil unsere Regenperioden ausmacht.
Der beschriebene Vorgang ist in Wirklichkeit bedeutend komplizierter als hier dargestellt und muss an dieser Stelle auch nicht weiter vertieft werden. Ohne Pflanzen würde unser gesamtes Ökosystem nicht funktionieren und so ist es natürlich naheliegend, dass Pflanzen im Wohn- oder Bürobereich ebenfalls Helfer für gute und gesunde Raumluft sind. Deshalb mag es nun wenig überraschen, dass Pflanzen noch weitaus mehr für ein gutes Raumklima sorgen können, als allgemein angenommen.
Schon im Jahre 1988 befasste sich unser Bundestag mit der Verunreinigung der Luft in Innenräumen. Dieser Debatte lag ein Sondergutachten von Sachverständigen für Umweltfragen zugrunde. Hier heißt es unter anderem, dass wir der Reinhaltung der Luft in Innenräumen eine noch größere Aufmerksamkeit schenken müssen als der traditionellen Luftreinhaltung. Diese Feststellung gewinnt heute noch mehr an Bedeutung, weil sich seither der Baustil und vor allem die Vorschriften für die Isolation von Gebäuden stark verändert haben. Räume sind heutzutage dichter denn je, ein natürlicher Luftaustausch ist in vielen Gebäuden oder Räumen nicht immer automatisch gewährleistet.
Formaledehyd! Der unsichtbare Krankmacher
In erster Linie bereitet das größte Problem Formaldehyd, ein chemischer Wirkstoff, der in praktisch allen Möbelstücken aus Pressspan verarbeitet wird. Er tritt als gasförmige Substanz aus und trägt nicht gerade zum Wohlbefinden des Menschen bei. Hinzu kommt eine lange Liste von weiteren Chemikalien, die in unseren Wohnräumen mehr oder weniger bewusst oder auch unbewusst vorkommen. Alle an dieser Stelle aufzuführen, würde sicherlich den Rahmen sprengen. Tatsache ist, dass solche Stoffe in Farben, Tapeten, Fußbodenbelägen,
Stoffen, Polstern, Möbeln und anderen Einrichtungs- oder Dekorationsgegenständen regelmäßig verarbeitet werden und die Luftwerte negativ beeinflussen.
Was Grünpflanzen so alles können
Als Grünpflanzen für die Innenbegrünung kennt man zwischenzeitlich 350 bis 400 verschiedene Pflanzen. Leider hat man bis dato nur gut zwei Dutzend davon auf ihre Fähigkeit, Luftwerte zu verändern, wissenschaftlich genau untersucht. Dabei hat man herausgefunden, dass eine Reihe unserer Grünpflanzen in der Lage sind,
- schädliche Gase aus der Luft zu verarbeiten, indem sie diese absorbieren und abbauen.
- teilweise Feinstaub signifikant abzuscheiden.
- die Luftfeuchtigkeit durch ein selbst regulierendes Verdunstungsverfahren ganz bedeutend zu verbessern bzw. anzuheben.
- unsere Atemluft gesünder zu machen, indem sie Kohlendioxid effektiv in Sauerstoff umwandeln.
Welche Pflanzen sind das?
Eine der bekanntesten Pflanzen hierzu ist die Grünlilie ( Chlorophytum comosum). Sie gibt es in fast jedem Haushalt. Der Baumfreund ( Philodendron bipinnatifidum ) mit seinen großen Blättern trägt ebenfalls dazu bei. Aber auch die unterschiedlichsten Arten des Drachenbaums (Dracaena), besonders die breitlaubigen Vertreter, sind fleißige Luftverbesserer. Die Efeutute (Epipremnum, früher Scindapsus) mit ihrem kräftigen Wuchs wäre noch zu erwähnen. Als schöne Blütenpflanze muss das Einblatt (Spathiphyllum) aufgeführt werden. Aber auch Nostalgiepflanzen wie der Bogenhanf ( Sansevieria trifasciata ) sind von Bedeutung.
Eine signifikante Eigenschaft, die Luft zu verbessern, hat eine Zimmerpflanze, die häufig für den Bereich Hydrokultur verwendet wird: der Fadenkolben (Aglaonema). Bei der Hydrokultur kommt allgemein hinzu, dass diese Methode ohnehin zur Luftverbesserung beiträgt. Nicht zu vergessen der Efeu ( Hedera helix ), den es sowohl für den Innen- als auch Außenbereich in einer großen Artenvielfalt gibt. Gerade mit dieser Pflanze wurden besonders viele Studien, was die Feinstaub-Abscheidung betrifft, durchgeführt.
Wie viele Pflanzen benötigt man?
Mit einer einzelnen Pflanze kann wenig ausgerichtet werden. Je größer die Blätter der Pflanze sind, desto größer ist deren Wirkungsgrad. Für eine Wohnfläche von 10 Quadratmetern werden bei normaler Raumhöhe drei bis fünf Pflanzen mit einer Wuchshöhe von 30 bis 50 cm benötigt, um das Raumklima zu verbessern.
Rund 98 Prozent des Wassers, welche eine Pflanze aufnimmt, wird über Spaltöffnungen auf der Unterseite von Blättern wieder verdunstet. Eine Zimmerlinde mit 2 Meter Höhe gibt pro Tag etwa 1,5 Liter Wasser an Feuchtigkeit ab. Für die gleiche Menge müssten einige Wasserbehälter zur Verdunstung im Wohnbereich angebracht werden.
Bleibt zuletzt noch zu erwähnen: So gut die Zimmerpflanzen das Raumklima auch unterstützen, ganz ohne Lüften wird es nicht funktionieren.
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Autor: Peter Hagen
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