Pflanzendüfte
Vertieft man sich in die Geschichte der Pflanzendüfte, stellt man schnell fest, dass diese schon in den Hochkulturen längst vergangener Epochen eine große Bedeutung hatten. Die Anwendung von Pflanzendüften geht nachweislich auf weit über 7000 Jahre zurück. So glaubten zum Beispiel die Inder, dass Düfte nicht nur beleben und zum Wohlbefinden beitragen, sondern auch Geist und Seele reinigen. In der jahrtausendealten Lehre der Ayurveda spielen Pflanzendüfte nach wie vor eine ganz wesentliche Rolle.
Allein aus klimatischen Gründen, aber auch aufgrund des Unvermögens zur damaligen Zeit, fremdländische Pflanzen in unseren Breitengraden zu kultivieren, kamen reine Duftpflanzen erst sehr viel später bei uns in Kultur. Wenngleich so weit zurückliegende Anwendungen von Duftpflanzen ausschließlich einen religiösen oder heilenden Hintergrund haben, ist ihre Verwendung heute aktueller denn je. Zwar spielen Heilung und Religion dabei noch immer eine entscheidende Rolle, doch haben sich Wissenschaft und Wirtschaft parallel dazu das alte Wissen zunutze gemacht und zu vielen weiteren Zwecken ausgebaut. Zu guter Letzt hat sich das Sammeln und Anbauen von duftenden Pflanzen zu einem Hobby in unserer Gartenkultur entwickelt und ist dort auch nicht mehr wegzudenken.
Im Norden und Süden unserer Republik sind zwei sehr bedeutende Gärtnereien, die sich ausschließlich auf die Kultur von Kräutern und duftenden Pflanzen spezialisiert haben. Hier erhält man alle Pflanzen, die einen Duft verströmen.
Was duftet?
Welche Teile an einer Pflanze duften, ist unterschiedlich und hat sehr verschiedene Ursachen. Für das menschliche Riechorgan bleiben viele der Düfte zunächst verschlossen und werden erst durch spezielle Verfahren unserer Nase zugänglich gemacht. Andere Pflanzendüfte überfallen uns geradezu, sei es parfümartig oder auch unangenehm. Die gesamte Bandbreite steht uns zu Verfügung.
Pflanzen duften übrigens nicht dem Menschen zuliebe. Die Natur hat immer einen Grund dafür, warum bestimmte Pflanzen oder Teile von ihnen mit einem Duftstoff versehen sind.
Blütendufter
Mit am weitesten verbreitet sind die Blütendufter, zu denen die Sommerblüher und Stauden sowie Sträucher und Bäume zählen. Die Düfte sind dabei so unterschiedlich, dass man sie kaum beschreiben kann. Zu ihnen gehören auch so intensive Düfte wie die des Maiglöckchens.
Viele Menschen stecken übrigens ihre Nase in die Blüte verschiedener Pflanzen, vor allem von solchen, die sie zum ersten Mal sehen. Viele Blumendüfte sind aber so schwach, dass die menschlichen Riechzellen davon nicht berührt werden. Dennoch reicht der Duft aus, um viele Insekten anzulocken.
Blattdufter
Viele Gewürze und Heilpflanzen zählen zu den Blattduftern. Manche von ihnen entfalten ihren Duft direkt und verströmen ihr Aroma permanent, andere müssen erst erschlossen werden, indem man sie zerreibt oder auch nur berührt (wie Basilikum oder Rosmarin). Zu den Blattduftern gehören natürlich auch ausgefallene Pflanzen, die von vielen Gartenliebhabern einfach nur wegen ihres Duftes in der Sammlung aufgenommen werden, so zum Beispiel die Mohnbrötchenpflanze ( Scrophularia chrysantha).
Rinden-, Borke- oder Schalendufter
Auch hier findet man eine große Anzahl an Pflanzen mit zumeist sehr aromatischen Düften. Um sich die Düfte von vielen dieser Pflanzen zu erschließen, bedarf es fast immer einer mechanischen Vorbehandlung. Allen voran sind hier die Harze vieler Koniferen zu nennen, wie zum Beispiel der Kiefer, aber auch die Duftstoffe vieler verschiedener Citrus-Arten. Gerade hier hat eine Naturhybride, die „Bergamotte“, als Grundlage für das weltberühmte 4711 aus Köln eine ganz besondere Bedeutung.
Früchte und Samendufter
Der Duft eines reifen Apfels oder die frisch aufgebrochene Schale einer gerade reif werdenden Walnuss ist unvergleichlich und im menschlichen Gehirn geradezu abgespeichert. Aber auch kleine Samenkörner wie von Dill, Petersilie oder Fenchel entwickeln starke Düfte, die jedermann bekannt sind.
Wurzeldufter
Der frische Duft von Wurzelgemüse wie Meerrettich, Schwarzwurzeln, Sellerie oder Möhren ist unvergleichlich. Wenn dies auch sicherlich sehr bekannte Gerüche sind, so gibt es gerade unter den Wurzelduftern eine riesige Auswahl weiterer aromatischer, teilweise aber auch weniger gut riechender Wurzeln (zum Beispiel Holunder).
Stinkpflanzen
Wenn bisher von aromatischen und gut duftenden Pflanzen berichtet wurde, fällt es schwer, weniger gut riechende Pflanzen in das Verzeichnis der Duftpflanzen mit aufzunehmen. Dennoch gibt es eine ganze Reihe von Pflanzen, die für die menschliche Nase nicht sonderlich angenehm sind. Hierzu zählen viele Orchideen, Kakteen, aber auch Pilze. Diese „Nicht-Wohlriecher“ werden in der Natur von Aas und Fäkalien liebenden Insekten bestäubt, die von solchen Düften magisch angezogen werden.
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Autor: Peter Hagen
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